August 1997. Mallorca. Zwanzig Meter Boot. Elf Knoten. Und ein neues Mannschaftsmitglied.
Der Törn 1997 (23.8.97 bis 30.8.97) fand an Deutschlands schönster Küste statt: Mallorca. Seit einigen Jahren ist die Insel in der Hand deutscher Pauschaltouristen — doch im Jahre 1997 machten sich die Pirates of Love auf, um auch diesem Eiland ihren berüchtigten Stempel aufzudrücken.
Die Tabatha — eine neue Dimension
Die kleinen “Jollen” der Vorjahre wurden um Längen übertroffen. Zwanzig Meter misst die “Tabatha” und nimmt die größte Crew aller Zeiten in der Geschichte der Pirates of Love mit Leichtigkeit in ihren Bauch auf.
Für die kühnen Zehn war reichlich Platz vorhanden — für deren Gepäck weniger. Allerdings liegt das Augenmerk bei einer Rennziege aus dem Stall McGregor’s weniger auf der Größe des Stauraums, vielmehr starrten 20 funkelnde Augen auf die Größe der Genua — einem Tuch, das leicht eines der sieben Weltmeere bedecken könnte, und mit dem wellenbedecktes Salzwasser bereits mit 21 Knoten durchpflügt worden war.
Nur um die goldkettchenumhängten Süßwassermatrosen mit ihrem ewigen “Do you like to see my racingboat from inside?” nicht in den Schatten zu stellen, erhöhten wir den Geschwindigkeitsrekord der Pirates auf lediglich 11 Knoten.
Rekorde und Landgänge
Viele Rekorde wurden gebrochen. In der Spezialdisziplin “Landgang für brünstige Seehirsche” konnten Länderpunkte erzielt werden. Stefan, Axel und Ralf allein gebührt das Siegerpodest.
Die beiden Erstgenannten hatten stets die Nase im Wind und witterten die Fährte weiblicher Anmut allerorten. Zwei Münchnerinnen wurden in die Gesellschaft eingeführt.
Den Länderpunkt erhielt jedoch Ralf — zumindest von der Doppelkopf spielenden Jury. Nach all dem jugendlichen Übermut unserer jungen Seehirsche wurde Christoph per telefonischer Nachricht zum Vater gekürt.
Sturm bei Menorca
Die nächtlichen Landgänge brachten unser Boot und die dazugehörigen Seebären nicht ins Wanken. Ein echter Seebär kann nur durch Sturm, Gewitter und haushohe Wogen erschüttert werden.
So kam es dann auch. Bei der Umrundung Menorcas erwischte es uns. Wellenberge, die den Horizont zum Alpenpanorama werden ließen, stellten sich uns in den Weg.
Voll des Mutes totgeweihter Piraten zerschnitten wir die Wellen, wie Zorro das Hemd seiner Gegner mit einem Degen. Gepeitscht vom brausenden Wind, gebeutelt von den Wellen, retteten wir die Segel. Erst nachdem die gefährlichen Bergungsmanöver überstanden waren — das Boot unter Motor, gesteuert durch den erfahrensten aller Skipper, Jan — gönnten wir uns in Ruhe, überflüssigen Magenballast über Bord gehen zu lassen.
Trotz aller Widrigkeiten ließen sich einige der Schwermatrosen nicht davon abhalten, dem Nachtleben von Cala Ratjada eine besondere Note zu verleihen.
Der Praktikant: Ralf
Ah ja, und dann war da noch ein neues Mannschaftsmitglied — aufgrund guter Beziehungen sofort mit dem Dienstgrad Praktikant in die Heuerliste aufgenommen.
Ralf betrug sich recht gut. Allerdings fragte sich der Mannschaftsrat, ob der Praktikantenstatus seinen Fähigkeiten gerecht wird. Schon am ersten Abend zeigte er auffälliges Fehlverhalten, als er Kaffee über die Seekarten goss. Trotzdem gewährte man ihm eine weitere Chance, indem man ihm die Verantwortung über das Beiboot übertrug.
Auszug aus dem streng vertraulichen Praktikantenzeugnis:
Ralf zeigte sich stets bemüht, die an ihn gestellten Anforderungen zu erfüllen. Durch seine unterhaltende Art war er bei allen Crewmitgliedern beliebt. Ralf zeigte besonderes fotografisches Interesse für in der untergehenden Sonne ankernde Boote und im Bugkorb sitzende Pirates.
Ralf verließ die Mannschaft auf eigenen Wunsch. Wir wünschen ihm für seine weitere Segelkarriere alles Gute, immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel und eine schalldämpfte Koje.
Sonstiges Bemerkenswertes
- Eine plötzlich aufziehende Gewitterfront mit sehr heftigen Regenfällen und einer Windhose unbekannten Ausmaßes zwang selbst die Pirates zum Rückzug in den sicheren Hafen. Dafür erntete man viel Applaus und Anerkennung der im Hafen verbliebenden Schönwettersegler.
- Der Segelprofessor (mit Holzfuß), der den Pirates Nachhilfe in Sachen Seemannschaft geben wollte — er besegelt schließlich den Starnberger See.
- Die Reiseleitung, die Großstadtflair in die mallorquinischen Häfen brachte und internationale Kontakte knüpfen konnte.
- Erste Alterserscheinungen bei einem Mannschaftsmitglied, der die Anstrengungen solcher Törns früher locker ausgehalten hätte.
Technisches
Boot: McGregor 65 — Tabatha
Revier: Mallorca, Menorca
Heimathafen: La Ràpita
Törndaten: 23.08.97 – 30.08.97
Crew: Eck, Jan, Steffen, Stefan E., Axel, Klaus, Ralf, Mick, Christoph
Geschwindigkeit unter Segeln: max. 15 kn
Geschwindigkeit unter Motor: max. 11 kn
Besonderheit: Größte Crew aller Zeiten. Erster Praktikant. Christoph wird Vater.
Langsam aber sicher neigte sich der Malle-Törn seinem unausweichlichen Ende entgegen. Bei strahlendem Sonnenschein und hart am Wind steuerten sie stolz die schnellste Yacht der Pirates zurück in den Heimathafen.